Der Artikel bezieht sich auf ein Video (siehe unten) von Dr. Jason Sonners.
Dr. Jason Sonners ist Chiropraktiker und gilt als einer der führenden Experten im Bereich der Hyperbaren Sauerstofftherapie (HBOT), mit über 15–17 Jahren klinischer Erfahrung. Er leitet unter anderem NJ HBOT und HBOT USA, co‑owned ein ganzheitliches Zentrum (Core Therapies Family Wellness Center) und schult international Therapeut:innen in HBOT‑Protokollen. Zusätzlich verfolgt er ein PhD‑Programm in molekularer Biologie mit Fokus auf regenerative Medizin und hat mehrere Fachbücher zu HBOT veröffentlicht, darunter „Oxygen Under Pressure“
Tinnitus kann sich anfühlen wie ein permanenter Störsender im Kopf: ein Pfeifen, Rauschen oder Brummen, das einfach nicht aufhört. Manche erleben ihn nach einem lauten Konzert oder Knalltrauma, andere berichten, dass sich das Geräusch langsam eingeschlichen hat und seit Jahren da ist. Die Bandbreite reicht von wenigen Tagen bis hin zu Jahrzehnten – und entsprechend groß ist der Wunsch, endlich wieder Ruhe im Kopf zu haben.
Im hyperbaren Sauerstoff‑Kontext wird Tinnitus häufig als „Kontinuum“ betrachtet: von einem sehr frischen, akuten Beginn bis hin zu langjährigen, chronischen Verläufen. Im zitierten Fachvideo wird beschrieben, dass bei akuten, klar traumatischen Auslösern – etwa einem lauten Knall oder einer starken Lärmbelastung – besonders schnelle und deutliche Verbesserungen beobachtet worden sein sollen, wenn relativ früh mit Hyperbarer Sauerstofftherapie (HBOT) begonnen wird. Bei Menschen, die das Ohrgeräusch schon zehn oder zwanzig Jahre mit sich herumtragen, werden in dieser Darstellung eher langsamere und weniger ausgeprägte Veränderungen beschrieben – aber nicht ausgeschlossen.
Die Gedankengänge dahinter beziehen sich auf zwei Punkte: Entzündung und Sauerstoffversorgung. Zum einen wird Tinnitus in vielen Fällen mit entzündlichen Prozessen im inneren Ohr beziehungsweise den umgebenden Strukturen in Verbindung gebracht. Zum anderen ist die direkte Blutversorgung der Cochlea (Hörschnecke) anatomisch begrenzt. In dem Video wird erklärt, dass ein Teil der Sauerstoffversorgung über die sogenannte Perilymphe – eine Flüssigkeit im Innenohr – erfolgt. Ist diese entzündet oder der Sauerstofftransport eingeschränkt, kann das die Versorgung der empfindlichen Strukturen beeinträchtigen.
Hyperbare Sauerstofftherapie erhöht den Umgebungsdruck und die Sauerstoffkonzentration, wodurch deutlich mehr Sauerstoff physikalisch im Blutplasma gelöst werden kann als unter Normalbedingungen. Im Video wird darauf hingewiesen, dass sich der Sauerstoffpartialdruck so um ein Vielfaches steigern lässt. Theoretisch könnte ein höherer Druck‑ und Konzentrationsgradient dafür sorgen, dass mehr Sauerstoff durch die Perilymphe in Richtung Cochlea diffundiert und damit Regenerations‑ und Entzündungsprozesse im Innenohr unterstützt werden. In der dort geschilderten klinischen Erfahrung würde dies erklären, warum manche Tinnitus‑Verläufe auf HBOT ansprechen.
Auch das Thema Sicherheit und Ohrendruck wird in dem Beitrag angesprochen: Die häufigste Nebenwirkung in der Praxis der Hyperbaren Sauerstofftherapie ist das sogenannte Mittelohr‑Barotrauma – also eine Druckverletzung durch unzureichenden Druckausgleich. Im Video wird betont, dass sorgfältiger Druckaufbau, langsames Fahren des Drucks und eine gute Anleitung zum Druckausgleich entscheidend sind, damit Patientinnen und Patienten keine Schmerzen empfinden und das Ohr nicht geschädigt wird. Unter diesen Bedingungen sehe man in der geschilderten Erfahrung keinen Hinweis darauf, dass HBOT den Tinnitus verschlimmert, solange während der Behandlung keine Schmerzen auftreten und niemand „durch den Schmerz hindurch“ weiter abtaucht.
Interessant sind auch die im Video genannten Orientierungswerte für mögliche Behandlungsumfänge:
- Bei akuten, mild traumatischen Fällen werden dort Größenordnungen von etwa 10–20 Stunden HBOT erwähnt.
- Bei langjährigen Verläufen von mehreren Jahren oder Jahrzehnten ist von deutlich mehr Sitzungen die Rede – teilweise 30, 40 oder 50 Stunden über mehrere Monate.
Diese Zahlen sind nicht als allgemeine Empfehlung oder Garantie zu verstehen, sondern spiegeln die persönliche klinische Erfahrung des Vortragenden wider, die er im Video teilt.
Wichtig für deinen Blog ist die klare Einordnung: Der Beitrag zeigt, wie in einer spezialisierten Praxis über Tinnitus und Hyperbare Sauerstofftherapie nachgedacht wird und welche physiologischen Überlegungen dahinterstehen. Er ersetzt keine medizinische Beratung, keine HNO‑Diagnostik und keine individuelle Therapieempfehlung. Wer unter Tinnitus leidet, sollte sich immer zunächst an HNO‑Ärztinnen oder andere Fachpersonen wenden und mögliche Ursachen abklären lassen. Hyperbare Sauerstofftherapie wird in verschiedenen Kontexten diskutiert und beforscht – ob sie im Einzelfall eine sinnvolle Option ist, lässt sich nur im persönlichen Gespräch mit medizinischen Fachleuten klären.